Ladyboys
In einer Bäckerei mit Cafe und Restaurantanhang in Lamai, wurde (ob das noch so ist, ist mir unbekannt) man von zwei Ladyboys bedient. Das ist in Samui nichts besonderes, und nach 2-3 Kabaretbesuchen in der Beachroad, ist der glamouröse Anteil am Erscheinungsbild der Kathoey ja eindrucksvoll erlebt und dokumentiert.
Der sexuell voyeuristische Anteil meiner Person hat ja seine Freude an wirklich gut aussehenden Männern, die jetzt noch besser aussehende Frauen geworden sind. Schon alleine deshalb weil diese Kathoeys sehr versiert, auf der weiblichen Erotiktastatur, die Persiflage einer Sexbombe geben können. Sie sind sexy, fertig aus. Ich wette dass jeder männliche Besucher einer Kabaret Show, sich vorstellt, wie es wäre mit einem dieser “Mädel” mal Sex zu haben.(Es muß ja nicht gleich Analsex sein, aber bitte die Fantasie, darf ja denken was sie will, oder?!)
Aber der alltägliche Auftritt ohne Playback und Bühne ist schon noch was anderes, womit wir wieder im Cafe sind!
Zunächst fällt auf, dass beide ausgesprochen muskulös gebaut sind, was schon mal Widerspruch Nr.1 in meinem karteikastengroßen beschränkten Weltbild hervorruft: Mein Gott wie kann ein Mann mit athletischer Figur auf die Idee kommen eine Frau sein zu wollen. Wenn schon, dann sollte er doch von Mannshause wegen filigran und skinny gebaut sein um die spätere Idealvorstellung einer Frau, mit allerlei Chemie und Chirurgie verwirklichen zu können.
Ok, wieder was gelernt: Der Antrieb eine Frau sein zu wollen, wird nicht durch das “Ausgangsmaterial”als Mann eingeschränkt.Akzeptiert!
(Manche Politkerinnen und die noch selteneren Industriebossinnen kommen ja auch manchmal äußerst männlich rüber, oder?)
Athleten haben ja meist auch noch ein athletisches Gesicht (quadatisch, kantig, steinbeißig). Das muß durch die Jahrhunderte so ein Selektionsprozess geworden sein. Stellen Sie sich mal Woody Allans Kopf auf dem Körper von Bruce Willis oder Bret Pit,von Arnod ganz zu schweigen, vor. Das würde als Mutation in Hollywood durchgehen, aber nicht als Hauptrolle. Danke Woody, dass Du nicht ins Körper-Heldenfach gewechselt bist, mir sind intelligente Körper-Schwächlinge allemal symphatischer.
Unser Duo im realen Cafe-Leben hat aber eben das passende Gesicht zum Körper. Ok, wenn der Körper schon nicht passt, und kein Hindernis ist, dann sollte das Gesicht nicht mehr im Wege stehen. OK.
Also im Alltag sind Perücken bei 34 Grad im Schatten so eine Sache, und künstliche Wimpern und sexy Engfummel nicht gerade arbeitsförderlich. Willkommen im Kathoey Alltagsoutfit:
Ein bischen Rouge, Lippenstift und Maskara, die Wimpern getuscht und ein kleines Schwarzes aufgelegt und fertig.
Bruce mit schlechtem Makeup im Minifummel. Angekommen? Selbst Rühmann als Charlys Tante kam besser rüber.
ABER: Wir sind im Cafe, im realen Leben und nicht im Film!
Ich bin ein bis zweimal pro Woche zu Mittag den beiden begegnet. Ich habe die anderen Gäste beobachtet, und festgestellt, nach einem super kurzen “Au Wei, was ist das?”, kehrte Normalität in den Köpfen der Gäste ein. Wie gesund!
Warum?
Weil die Beiden Selbstbewußtsein, Stolz und Würde haben! Das überstrahlt mühelos die äußere Karikatur!
Wieder was gelernt!
UND:
Was gäbe ich für dieses Selbstbewußtsein! Oder drei Dinge braucht der Mann:
siehe oben!
PS: Die Kathoey Karriere strebe ich nicht mehr an. Aber mehr zu mir selber stehen, das haben die Beiden mich schon gelehrt.
Noch eine Pferdestärke: Wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre begegne ich fast täglich drei seltsamen Wesen auf nem Moped. Ich kann in den Gesichtsrohlingen die Schminkgrundlage von drei “Stars” im Kabaret wiedererkennen. Diese Kathoeys erschaffen sich quasi jeden Tag neu. Der Preis ist hoch für Geldbeutel und Körper, aber sie tun es,weil sie es wollen. Auch das gibt mir zu denken, wieviel von dem was ich will, ich auch umsetze.

