Einschneidungen
Ich habe 1969 “Star spangled banner” in der Version von Jimi Hendrix gehört und es hat mich umgehauen. Ich habe dann mit meinem Freund Olli die Doppel LP “Electric Ladyland” gekauft, er hatte eine LP, ich die andere. Ich habe “Let it bleed”, die ich gekauft hatte, gegen die zweite LP von Electric Ladyland von Olli getauscht. Wahre Liebe für Hendrix. Mein Zimmer war tapeziert mit Hendrix Postern und ich war sauer keine Locken zu haben, als ich mir die Haare wachsen ließ.
Ich wollte mit nem Bekannten nach Fehrman, zum bekanntlich letzten Hendrix Konzert, aber meine Mutter hat es mir nicht erlaubt. Ich war ihr dafür jahrelang böse, ich konnte nie mehr mein Idol sehen, so wie ich meinen verstorbenen Vater nie wieder treffen konnte. Warum hat sie mir das angetan???
Ich habe 1971 “Inner mounting flame” gehört und es hat mich umgehauen.
Das war der Moment wo ich zum ersten Mal Grenzenlosigkeit mit höchster Präzision erlebt habe und mit musikalischen Möglichkeiten jenseits europäischer Metrik und Tonalität konfrontiert wurde. Und das alles in einem Rockidiomkontext.
Ich habe 1973 “Sweetnighter” von Weather Report gehört, jeden morgen um 6:30 vor der Schule, mit einer Tasse Kaffee, und Nebel sind im Tal vor meinem Hochhausapartment aufgestiegen und haben mit der Musik ein Stimmung bei mir produziert, die ich nie mit ins Gymnasium in Lebach mitnehmen konnte. Wie auch, Jazz ist nix für Landeier! Übrigens auch für viele Thais.
Das war/ist eine Musik die lange vor Ambience genau das produzieren konnte: einen in Raum und Zeit verschieben und ankommen lassen.
Ich habe Robert Fripp auf dem Plattenteller getroffen, damals noch eher anonym bei King Crimson und habe zum ersten mal richtig gut Liebe gemacht mit “Epitaph”.Später hat er mir die Welt der Minimals, neben Steve Reich eröffnet. Bitte mal Disciplin von King Crimson anhören. Das sind Welten und keine McDonalds Einkaufströten.
Wes Montgomery hab ich auch getroffen, leider nur auf dem Plattenteller und und und meinen geliebten Pat Martino und dann kam viele viele Jahre später Steve Vai. Er hat meine musikalische Identität zerstört weil er zu gut ist.
Ich befreie mich von ihm gerade und kehre zurück zu meinen Wurzeln. Je älter man wird, desto weniger erruptiv sind die neuen Begegnungen mit Neuem, aber auch die Erinnerung der ehemalig sensationellen Begegnungen mit Musik werden umso lebendiger.
Ich habe über das Leben, all die Jahre, in fremden Welten nie die einfachen musikalischen Initialerfahrungen vergessen, kann sie aber nicht ins tägliche Leben mit Jazzanalphabeten herüberretten. Da trifft Arroganz auf Unkenntnis und das nicht nur bei Lin. Ich sage Tschüß zu meiner Arroganz und werde mir meine Vergangenheit wiederholen: MP3
L G
Ebi

