Vor wem liegt schon noch ein leeres Blatt Papier auf dem Tisch und will sich einfach nicht mit Worten füllen lassen. Nein heute ist das ein Editor und seine Eingabemaske in einem CMS System und man kann noch nicht mal einen Papierflieger als Ersatz für Sprachlosigkeit daraus machen.
Es gibt ja dieses Element in Science Fiction Filmen, wo die Helden durch ein Tor oder in einem Raum den Sprung in eine andere Dimension wagen, und mit Übersinnlichem, Horror,Phantastischem usw.konfrontiert werden. Mir ist aber kein Film in Erinnerung wo das Tor in die Langeweile führt und der Transformationsprozess so schleichend ist, dass die Helden es kaum mitbekommen.
Wenn ich zurückschaue in der Zeit, in meiner Zeit, dann fällt mir auf, dass ich kaum noch etwas außerhalb des Internet/Computer Kontext mache, wenn es um Kreativität, Schöpferisches geht, und das die Lust an solchem Treiben mehr und mehr abnimmt. Der Sog zum Rechner/Internet ist berufsbedingt schon stark und kostet auch Kraft, die mir fehlt wenn ich was für mich tun will.
Ich flüchte ins Buchlesen, was ja auch eher passiv ist und schaue Glotze, was ja noch passiver ist. Ich informiere mich umfassend über ein breites Spektrum an Themen im und über das Internet,und ich frage mich wozu ich mich informiere, was ich damit mache?: Nichts! Ich glaube das das etwas suchthaftes hat. Ich will das ändern.
1987 habe ich beschlossen mit Computern Musik zu machen, ich war ehrgeizig, ich wollte die Kontrolle über meine Kompositionen bekommen und nicht mehr mit Bands arbeiten. Heute weiß ich, dass ich zwar noch einiges mit meinem damaligen Studio produziert und komponiert habe, aber es wurde auf Dauer immer weniger und im Gegenzug immer mehr Programme lernen, Software konfigurieren etc. Selbst der Gitarrenverstärker sitzt heute hinter dem Computer-Gate und ich ertrinke in hunderten von Soundmöglichkeiten anstatt mit einem Bleistift einfach etwas zu kritzeln, also mit irgendeinem Gitarrensound ein Stück zu entwickeln.
Wenn ich jetzt nicht die Ausrede des Berufes hätte, wüßte ich trotzdem nicht was ich machen würde: Ein Buch schreiben (über was?), einen Film drehen (über was?), einen Song schreiben (über was?), usw.
Ich habe früher Tagebuch geschrieben, was wohl auch aus der Mode kommt, und kann nachlesen, dass ich immer wieder Phasen der Ideenlosigkeit hatte. Also beunruhigt mich das jetzt nicht so sehr, aber der “neuere Einfluß” durch das Techzeugs werde ich genau beobachten.
Kann es sein das ich vor Jahren unbemerkt durch ein Tor gegangen bin das in die Langweile führt?
Jetzt fahre ich die Kiste runter und mache sie bis morgen nicht mehr an.
L G
Ebi