Blogtagebuch 21.08.09
Anreise nach Pha Yao:
Abreise bei schönstem Wetter aus Koh Samui. Flug hat alles bestens geklappt.
Waren dann um etwa 15 Uhr in Chiang Rai. Lin´s Bruder hat uns abgeholt.
Dann über einige Zwischenstationen so gegen 18:00 Uhr angekommen in
Baan Tumnai
Großes Fest und alle waren sehr freundlich zu mir. Ich hab mich prima amüsiert und auch die Sprachbarrieren waren überhaupt kein Problem.
Hab auch Frosch probiert schmeckt gut, wie Hühnchen, war aber auch höllisch scharf gewürzt, so dass “Kermit” nicht so zur Geltung kam.
Wie sich das für einen Urlaub bei Ebi gehört regnet es seit gestern nacht.
Heute am 22.08.09 natürlich Dauerregen, aber ich finde das gut.
Es ist ne echte wirkliche Thaifamilie wo ich bin und das hat nu überhaupt nix mit Koh Samui zu tun. Gastfreundschaft, es wird nicht nach Geld gefragt und ich muss mich geradezu aufdrängen mich wenigstens an den Unkosten zu beteiligen.
Nachher gehts zum Buddha und später hab ich noch keine Ahnung was die Großfamilie vor hat.
Buddha das ist eine Holzhütte und da gibt es einen Altar mit mir unbekannten Figuren und eine Buddhafigur hab ich nirgends gesehen. Das ist wohl eher ein animistischer Tempel, aber für mich der Einfachheit halber eben als Buddha bezeichnet. Es wurden 3 Schweinsköpfe und drei Hühnchen, drei Flaschen Chang, Reis Gemüse vor den Altar gestellt.Dann wurde gebetet und es wurden in jeden Schweinskopf je ein Räucherstäbchen gesteckt. Dann wurde gewartet bis die Räucherstäbchen abgebrannt waren. Dann wurden die Opfergaben samt Bier verspeist. Die Schweinsköpfe wurden aber erst später zuhause zerlegt.
Ich finde das eine sehr praktischen Ritus, alle haben was davon die Geister und die Menschen.
Es gibt hier zwei Häuser, das Haupthaus in dem alle zurzeit wohnen. Alle das sind:
Die Mutter: Noy, der Bruder von Lin Yossawin und seine Tochter: Kao Fang, dann der Sohn von Lins’s Schwester Janya: Boom, dann der Sohn von Lin: Bass und schließlich Bum Bim die Tochter von Lin. Das Haus hat 6 Zimmer und eine Küche, wobei aber nicht alle Zimmer genutzt werden. Viele Möbel stammen aus dem zweiten Haus, das sich hinter dem Haupthaus befindet. Es war das Haus des Vaters der im letzten Jahr verstorben ist.
Lin war bis vor etwa einem Jahr hier sowas wie ein Großarbeitgeber, sie hatte 400 Rai Ländereien für Landwirtschaftliche Nutzung und hat darauf Reis, Erdnüsse, Mais, Obst und Gemüse angebaut. Das alles hat sie gemanaged und hat damit wohl gutes Geld verdient. Anscheinend war aber das Land von ihr nicht offiziell gepachtet oder gekauft worden, wodurch es Neidern möglich wurde ihr die Rechte an der Landnutzung zu nehmen, weil das Land wohl angeblich Naturschutzgebiet sei. Inwischen wird das Land von den “Neidern” genutzt, also doch kein Naturschutzgebiet, oder?. Das alles hat wohl mit sowas wie Maffia zu tun, und die Familie musste wohl Lin mit allen Mitteln daran hindern nicht zur Waffe zu greifen. Lin hat das alles sehr mitgenommen. Intersssant ist, das ihre ehemaligen Angestellten nicht mit den neuen Arbeitgebern zusammenarbeiten, und hoffen das Lin das Land zurückholt, aber sie wird es nicht tun, weil das wohl nur mit Gewalt ginge und das ist das alles nicht wert.
Die jetztige und auch frühere Haupteinnahmequelle ist der Laden, den Mutter und Bruder führen. Hier versorgen sich die Landarbeiter mit allem was sie so brauchen, und der Arbeitstag beginnt um 4:30 Uhr. Ich werde hier morgens von den Hähnen und sehr lauten Treckern und Mopeds geweckt.
Lins Mutter raucht Selbstgedrehte und kaut Bethelnüsse, was ihr die berühmten braunen Zähne verschafft. Sie lacht ausgesprochen gerne. Überhaupt ist hier immer ein Grund zum Lachen und Fröhlichsein gegeben, und es stimmt je einfacher die Menschen leben, desto ausgeglichener und zufriedener scheinen sie.
Ich dusche täglich auf Thaiart, also mit einer Schüssel Wasser, und es macht mir echt Spaß, es ist viel erfrischender als eine Dusche und viel effizienter was den Wasserverbrauch betrifft.
(Jetzt wieder hier in Koh Samui benutze ich im oberen Badezimmer, wo der Wasserdruck eh pieselig ist die Thaidusche und bin sehr erfrischt damit. Also was gelernt. Heute hat Lin mir nen zweiten Bottich hingestellt, ich muss noch rauskriegen wofür der gut ist.)
Wieder Tumnai:
Das Klo ist kaputt, weshalb man die Wasserspülung halt halbautomatisch betreiben muss, also mit ner Schüssel Wasser in das Klospülbecken kippen und fertig ist.
Die Arschdusche ist auch mitgenommen, weshalb man schon ein bischen tricksen muss, um sich nicht mit 8 Atü oder so, die Morgenlaune an ner empfindlichen Stelle stören zu lassen. Überhaupt macht es Spaß sich auf sowas einzustellen und zu merken wie einfach Sachen gehen können. In Koh Samui würde ich sowas nicht so belassen und sofort reparieren, hier ist das für mich ein einziger Spaß. Zähneputzen geht auch nur mit Trinkwasser aus der Flasche, weil der Wasseranschluss zum Becken kaputt ist.
Das alles schreibe ich nicht um das als Mängel zu bezeichnen, nein das sind einfach simple Sachen, die sein können und nicht müssen. Es stört einfach nach einem Tag nicht mehr.
Jeder kennt hier Lin und das gilt dann ja auch umgekehrt. Ich werde sehr freundlich behandelt und die Menschen sind sehr aufgeschlossen und neugierig zu mir. Ich bin ja schon etwas Thailanderfahren und so fällt es mir aber auch leicht mit meinen paar Brocken Thai schnell Kontakt zu bekommen.
Das Klima ist deutlich anders als in Koh Samui, kein Wunder das eine ist ne Insel und hier ist weites Land. Tumnai, der Ort wo ich bin, ist der letzte bevor es in die Berge geht. Täglich ziehen Wolken in Richtung Berge und es sieht schon fast wie eine deutsche Mittelgebirgslandschaft aus. Es gibt stärkere Temperaturschwankungen hier und manchmal wird es am Abend richtig kühl.
Das Zusammenleben ist sehr harmonisch und die Kinder haben viel mehr Freiheiten als in Deutschland. Alles ist nicht so sauber dafür aber funktional gehalten.
Die Jungs Boom und Bass beide so um die 12 Jahre alt übernehmen jede Menge Arbeiten im Laden und das war neu für mich, denn ich dachte immer das die Jungs eher verwöhnt werden. Ist hier definitiv umgekehrt. Bum Bim und Fang sind ja noch zu klein um mitzuhelfen.
Täglich kommen wie schon gesagt viele Leute vorbei und es gibt immer ein kleines Schwätzchen zwischendurch. Ach so Tumnai hat etwa 300 Einwohner. Kein Wunder das jeder jeden kennt.
Gestern, am 25.08.09 haben wir Wat Rong Khun in der Nähe von Chiang Rai besucht. Da werde ich wohl nen Film machen.
Gerade eben kam ein freundlich aussehender älterer Mann zum Laden. Als er weg war meinte Lin zu mir das sei ein Gunman!! Hätte ich nicht geglaubt so nett wie der aussah, fremdes Thailand.
Heute am 26.08.09 hab ich noch keine Idee was wir machen werden. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich mich sehr erhole und mir nach kurzer Eingewöhnungszeit das Landleben richtig Spaß macht. Wenn es nicht so weit von Koh Samui weg wäre würde ich sicher oft hier her kommen.
Wir werden Bum Bim mit nach Koh Samui nehmen. Ich habe Lin gefragt ob sie, Bum Bim, nicht den Trubel hier vermissen wird, Lin meinte nein. Wir werden sehen.
Ich habe aber jetzt mit Sicherheit eines zu ändern: Ich muss Thai lernen, weil ich mit Bum Bim sonst nicht reden kann. Überhaupt würde ich hier leben ,käme ich um Thai nicht herum, und jetzt will ich es auch wirklich lernen, ich habe endlich wirklich gute Gründe dazu.
28.08.09
Morgen geht es zurück nach Koh Samui. Ich habe hier eigenartige Tage erlebt, auch weil ich immer noch mit einer Bronchitis die ersten Tage zu tun hatte, und mal wieder hypochondrisch war. Das hat sich seit gestern weitgehend gelegt und die Bronchitis ist weg.
Eigenartig war aber auch wie leicht es mir fällt thailändisch zu leben. Damit meine ich, mit geringen Bequemlichkeitsansprüchen, was Dusche und Toilette betrifft, gut auszukommen. Ebenso ist es mit der Sauberkeit bei Küche und Bad, das ist sicher weit entfernt von deutschen Standards, aber diese Standards bedeuten mir wenig und ich brauche sie nicht wirklich. Was viel mehr zählt ist die schon erwähnte Herzlichkeit, die Heiterkeit der Menschen, ihr unbekümmerter Fleiß und ihr Freude am Feiern nach der Arbeit.
Dann die Hilfsbereitschaft und Höflichkeit das treffe ich hier überall und es kommt ganz unprätentiös daher.
Ich habe mich sehr gut erholt hier.