Schnüffeln in fremden Tagebüchern?
Samstag, November 24th, 2007Achtung unausgegorener Artikel!
Kann es sein, dass unsere Neugier uns zu so ausdauernden Lesern von Blogs macht, weil wir hoffen auf Seite (besser Page ) 10 etwas zu finden was uns in Erregung versetzt und uns von unserem langweiligen Alltag ablenkt? Blogs sind per se langweilig! Selbst Blogs mit pornografischem Inhalt sind langweilig. Blogs mit Erkenntnissen sind langweilig. Blogs mit Enthüllungen sind langweilig, Blogs mit Infos, mit Bildern, mit egal was, sind langweilig.
WARUM? Ganz einfach: Wir haben keinen echten Bezug zueinander und deshalb ist es 10 mal besser das Tagebuch der Freundin nach (un)angenehmen Stellen über einen selber abzusuchen, als 100 Blogs zu lesen. (Leider wird mir dieses Vergnügen versagt bleiben, weil ich kein Thai kann, und Thais nur in Bangkok, und nur wenn sie intelektuell pervers sind, Tagebuch führen)
EINWAND: Du bist zu voyoiristisch! Genau das bin ich. Ich bin geil auf das was dahinterliegt, ich bin neugierig auf Zwischentöne ( deshalb bin ich ein schlechter Pop Musiker!)
Also: Wenn jemand eine Kurzgeschichte oder sogar ein Buch schreibt, dann kann er alles und noch mehr von sich und seinen Impulsen da hineinlegen, kann ins extreme gehen und Welten, Szenarien schaffen, die versteckt oder nicht mit Ihm zu tun haben. Wenn er seine Biographie ( hab mich für ph entschieden) schreibt, dann wird er zensieren, schon alleine wegen der möglichen Rechtsfolgen, vor allem wenn er/sie bekannt ist.
Blogs haben eben was biographisches ob wir wollen oder nicht. Deshalb unterliegen sie einer Zensur. Dabei entsteht das Problem, dass wir meist kein so sonderlich bewegtes Leben führen, das uns Stoff für besondere Blogeinträge liefert!
Wenn ich aber unbekannt bin, wer will dann biografisches wissen, es hat kein Gewicht, es fehlt die Form! Form meint Aufladung durch Prominenz oder durch besondere Inhalte. Selbst Adolf Hitler hätte in seinem Blog wohl kaum über seine Liebesnächte mit Blondie berichtet, oder wie toll er seine Nachtischlampe aus Judenhaut fand. Er hat die Form gewählt und versteckt seine Perversionen mitgeteilt. Leider haben das nur wenige Deutsche verstanden, weil damals wie heute die Form den Inhalt dominiert hat.
Trotzdem ich habe die Tagebücher von Göbbbbbels gelesen, und es war wie Blogs lesen. Nix Reales nur Andeutungen seiner Probleme mit Wahn-Sinn-Sex-Business-Hitler-Macht-Ohnmacht-Behinderung-Wut-Hass-Lebensfreude. Ein Mensch halt, der sich lautstark versteckt hat, und ansonsten rumposaunt hat; mit tödlichen Folgen!
Wenn wir ein Niemand sind dann interessieren uns die Mands:
Blogs (Auszug) die es niemals geben wird, die ich aber gerne lesen würde (fast alles Promis):
Harald Junkes letzten Tage.
Haralds letzten Tage! Sorry das Du in der Liste stehst!
Wenn wir schon dabei sind, mein Vater sein Blog hätte mich echt interessiert: Wer war er? Auch dabei wäre ich nicht schlauer geworden!
Jesus als Ihm klar wurde das er verkackt hat und jetzt für alle Menschen sterben soll!
Hitlers Bunkerblog: Die letzten Tage!
Juergen Bartsch: Meine schönsten Erlebnisse mit Jungen!
Franz Joseph Strauss: Meine geilen Abenteuer in New York!
Idi Amin: I did it my way!
Mutter Theresa: Mein Leben mit Armen und Beinen.
Harald Schmidt: Warum ich pochierte Eier mag. (Schlechter Witz)
Uwe Barschel: Uups I did it again!(Die Lüge und Badewannenfreuden!)
Rudi Dutschke: Meine letzte Dusche und die Tage davor!
Ulrike Meinhoff: Warum war ich so blöd?
Ben Wischnewski: Mogadishu my highlight!
Jürgen Möllemann: Drei Tage vor dem Fall.
Rosemarie Nitribit: Meine prominenten Liebhaber!
USW!
So jetzt wird weiter im Unkraut geschrieben und die Promies sollen bleiben wo der Pfeffer wächst. Es ist ok auch als NIX zu schreiben, weil wir ja alle gleich sind. Ich will auch garnicht mit denen da oben zu tun haben, ich will nur sagen Blogs werden irgendwann aus Euren Bookmarklists verschwinden, wenn sie keinen wiklichen Bezug zu Euch haben. Oder es sind Prominente die die Hosen runter lassen, dann werdet Ihr die lesen. Stimmts?
Das hab ich vor ein paar Wochen geschrieben. Klar ist das ein Armutszeugnis für mich, der ich eben keine Kurzgeschichte schreibe, kein künstlerisches Kalkül in der Hinterhand habe und auf keinem Weg der Selbstdarstellung bin, der mir Freiheit verschafft vom Allerweltsdasein. Es ist eine Reflexion über meine Unlust Blogs zu lesen, wobei ich immer wieder nach ihnen suche. Es hat also mehr mit mir zu tun und meinem stets ungestillten Verlangen nach Neuem, Interessantem usw.
Jetzt sage ich Euch die Wahrheit: Ich bin totmüde, gute Nacht!